Donnerstag, 25. Februar 2016

Rezension über Ringu von Koji Suzuki

  
„Der Ring“ ist 1991 der bekannteste Roman von Koji Suzuki. Er wurde in darauf folgenden Jahren mehrmals im Kino angepasst und daraufhin errang er ebenfalls einen so großen internationalen Erfolg, dass er heutzutage als ein Meisterwerk des Horror-Genres gilt.

Die Handlung spielt hauptsächlich in Tokyo und Oshima in Japan. Der von Zeitungsbeilage Journalist, Kazuyuki Asakawa, spürt dem mysteriösen Tod seiner Nichte nach.  Durch systematische Forschung mithilfe eines engen Freundes namens Ryuji Takayama entdeckt er, dass sie und drei ihrer Freunde im Teenageralter genau am selben Tag und Zeit angeblich aufgrund eines Videobandansehens ums Leben kamen.  Zentral ist hierbei die Voraussetzung, dass jeder, der das rätselhafte Videoband ansieht, binnen einer Woche an plötzlichem Herztod sterben soll, und so beginnt der Irrfahrt von Asakawa zwecks der Rettung seines eigenen Lebens und das von seinen nächsten Angehörigen im Kampf um die Zeit und die Todesangst geschweige denn sehr schwierig zu treffende Entscheidungen.

Mit Geschicklichkeit fesselt der Autor den Leser an eine dunkle geheimnisvolle Geschichte, wo die Zusammenarbeit und die wahre Freundschaft der Schlüssel zur Rätselklärung ist. Denn der Geschichtsentwicklung gemäß werden nicht nur der Herkunft des Videofluchs preisgegeben, sondern auch tiefe persönliche Geheimnisse der Hauptfiguren in der Öffentlichkeit gebracht.

Im Vergleich zu den zwei bekanntesten Filmanpassungen (1998, Ringu, Reg. Hideo Nakata;   2002, The Ring, Reg. Gore Verbinski) wirkt das Buch bildhafter in puncto Erfahrungen beim Ansehen des Videobandes und vertieft sowohl um das übersinnliche Recherchieren als auch um die zur Mord führenden Nuancen der menschlichen Natur.   

Die Emotionen und die Struktur der Geschichte werden auch ziemlich besser behandelt als in den Filmen, in denen viele bedeutende Elemente ignoriert oder völlig verändert werden. Die anlockende Erzählungsweise erreicht Suzuki im Buch mit anziehenden Beschreibungen und detailierter und zugkräftiger Methode zur Geheimnisklärung.

Die von Suzuki verwendete Sprache ist sehr einfach jedoch anspielend auf japanische Symbole oder geprägt von einer doppelten Bedeutung kraft der originellen geschriebenen Sprache des Buches nämlich Japanisch.   Ein Beispiel dafür ist selbst der Name des Romans „Ringu“, ursprünglich vom englischen Wort „to ring“ abgeleitet, welches das Klingeln des Telefons nach dem Ansehen des Videos bezeichnet bzw. der Name der weiblichen Hauptfigur „Sadako Yamamura“, deren Name aus vier Schriftzeichen besteht und der gegebenenfalls als „reines Kind aus dem Bergendorf“ ins Deutsche übersetzt werden könnte.

Der Roman „Der Ring“ zeigt sehr lebhaft den inneren Konflikt eines Mannes, der sich zwischen Leben, Tod, Moral und Loyalität entscheiden muss. Suzuki entführt den Leser hervorragend in die innere Horror-Welt der Protagonisten von Anfang bis Ende des Werkes. Der Leser wird wohl den inneren Kampf mitkämpfen und das Rätsel trotz der Gruseligkeit lösen wollen. 

Zu Fans des Action- oder Gruselthrillers passt der Roman perfekt und ist er so unterhaltsam, überraschungsvoll und spannend, dass sie nicht einmal für den Umfang des Buches Aufmerksamkeit schenken werden.Für mich ist das Buch einen Kauf wert, da es sich nicht nur von Horror und Detektivforschung handelt, sondern auch übt Kritik an die Gesellschaft und betrifft philosophische Begriffe wie Nietzsches ewige Wiederkehr: Kreislauf der Geburt und Sterben. 







Montag, 15. Februar 2016

Die Gründung von Neo-Paris(2053)

9. bis 12. September 2047: Einige seismische "Tremora"-Bomben legten halb Paris in Schutt und Asche. Die Katastrophe gilt als das Ende des europäischen Bürgerkriegs und läutete einen längeren Zeitraum des Leidens und der Entbehrungen für die Überlebenden ein - gefangen in einer Stadt, die von den Pockennarben der  Explosionskrater überzogen war. 



Die örtlichen Behörden waren versucht, die Stadt während der fünf Jahre nach der Zerstörung von Paris zu verlassen. Die ehemalige Hauptstadt war seit dem Zusammenbruch der französischen  Regierung 2041 zu einer Geisterstadt geworden und der Magistrat war das einzige rechtmäßige Regierungsorgan. Paris wurde im Frühling 2048 zu einer freien Stadt erklärt und Gangs und Plünderer beherrschten die Straßen. 

2052: nach zweijährigen Verhandlungen gelang es Bürgermeister Eugene-Hubert Carbon, den Großunternehmer Antoine Cartier-Wells zu überreden, den Hauptsitz von Memorize zurück in die Stadt zu verlegen, in der er seinen Konzern vierzig Jahre zuvor gegründet hatte. Die Ankündigung, dass dieser berühmte und profitable Konzern nach Paris zurückkehren würde, gab der verwüstete Stadt neue Hoffnung für die Zukunft. Ein massives Wiederaufbauprojekt für die ehemalige Hauptstadt wurde im folgenden Jahr gestartet und die Gründung von Neo-Paris wurde bekanntgegeben. 

Dienstag, 18. August 2015

„Die Seele der Menschen muss in ihren tiefsten Tiefen

verängstigt werden - durch unerforschliche und scheinbar

sinnlose Verbrechen, die niemandem Nutzen bringen, die

nur den Sinn haben, Angst und Schrecken zu verbreiten;

denn der letzte Sinn der Verbrechens ist, eine

unbeschränkte Herrschaft der Verbrechens aufzurichten.“






Donnerstag, 14. April 2011

Grandville: Concert à la vapeur


Ein "Concert à la vapeur" zischt, rasselt, klirrt menschenlos un präzis herauf: alle Instrumente werden durch Dampf betrieben, fast sind sie selber Dampf-maschinen geworden; eine oszillierende Kolbenstange, mit Hand daran, gibt den Dirigenten ab... Baudelaire sagte von Grandville und seinen Zeischnungen: "Es ist ein krankhaftes literarisches Gehirn, stets auf illegitime Kreuzungen versessen... Dieser Mensch hat mit übermenschlichem Mut sein Leben damit zugebracht, die Schöpfung zu verbessern". Aber eher und einzig richtig war er das Talent, technische Gargantuas auszubildern und mit diesem Scherz sein Entsetzen zu treiben. Jedes dieser Bilder karikiert, überzerrt die Mittel, die Menschen durch Tehchnik glücklich zu machen... Heiterkeit rettet, selber frivol, vor jener dämonisch werdenden Entlegenheit, zu der Mensch und später die Machine die Welt umstellen können Witz rettet vor der äußersten Künstlichkeit oder Ungesundheit abstrakter und doch darstellbarer Mischfiguren, vor dem Schattenreich technischer Unzucht, schwarzer Utopie. Zugleich aber ist Witz objektiv in ihr: als ein Anfang des "Grotesken", das sprachlich wie sachlich aus der "Grotte" oder Unterwelt stammt, als Vater oder Bruder eines Gelächters, das gerade der Hölle nicht fehelen darf. Einiges davon erscheint in den angegebenen Karikaturen, den Furchtkarikaturen der Technik und ihrer Prothesen. Mit hämischem oder höhnischem Angsttraum, voll Schreck vor der technischen Herausforderung und dem, was sie ruft. Riesige Schlitzaugen öffnen sich auf einem Bild Grandvilles am Himmel; die Großbomber der Zukunft freilich und die Atombombe wurden vom schrecklichsten Hohn nicht vorgesehn.

Herausgenommen von Literatur im Industriezeitalter 1 (1987).

Montag, 21. Juni 2010

Die auftauchende post-industrielle Krisis in der japanischen Kultur.











TETSUO: THE IRON MAN (1988)


* Der Komponist

Chu Ishikawa ist nicht nur der Pionier der industriellen japanischen Szene sondern auch der Musikkomponist des mythischen Shinyas Tsukamotos Film Tetsuo: The Iron Man.

Der Komponist hatte sein erstes Keyboard, als er 15 war, und trat in der Musikszene mit 18 Jahre. Die Alternative Metal Schlaginstrumentist „Zeitlich Vergelter“ wurde sehr gut in der Undergroundszene von Japan begrüßt. Später komponierte er den Soundtrack für einige Tsukamotos Filme, unter anderen Tetsuo: The Iron Man. Ishikawa hatte seine eigenen Instrumente mit Metal gemacht.

Seine kreative Energie entwickelt sich jetzt in der Band „Der Eisenrost“, ein Thrash/Industrial Metal Percussion Quartett.



* Der Regisseur

Shinya Tsukamoto (塚本 晋也 1. Januar 1960 in der Präfektur Tokio, Japan) ist ein japanischer Regisseur und Schauspieler, der für seine ästhetisch ungewöhnlichen und avantgardistischen Filme mit surrealistischen und teils extrem gewalttätigen Inhalten bekannt ist.

Kult-Status erreichte Tsukamoto mit dem Film Tetsuo: The Iron Man, in dem ein Sarariman* (Tomoroh Taguchi) durch bizarre und widrige Umstände sich mehr und mehr in einen Maschinenmenschen verwandelt.

* Die Filmanalyse

Shinya Tsukamotos Tetsuo: The Iron Man (1988) markiert der Beginn einer neuen Welle des japanischen Horrorkino. Die alpträumliche Cyberpunk Vision dieses Filmes kann in der Dystopie und Angst vor Vernichtung der Manga Comics und Anime (wie z.B. Akira) ausfindig gemacht werden; das Übermaß, Ungeheuerlichkeit und Mutationen von kolossalen Tieren, die in den hergestellten Filmen von Toho und Daiei Studios auftreten, und die Perversität, Besessenheit und sadistische Folter von vielen der Pinku Eiga** Filme sind deutliche Vorlage für Tsukamoto. In westlichem Raum sind David Cronenbergs Videodrome (1982) und David Lychs Eraserhead (1976) zu erkennen.

Der Film enthält fast keine Dialoge, um die visuelle Handlung begleitet von der Ichikawas Musik aggressiver, schneller und experimentaler zu betonen.

Da es in dem Film Stahl und eine städtische Umwelt mit metallischen kybernetischen Ungeheuern gibt, lässt sich darauf schließen, dass die technologische Umwelt die Menschen zwingt, die mechanische Form einzunehmen und anzugewöhnen.

Die Verwandlung von Mensch zu Metall bedeutet die Fusion zwischen den beiden als eine virulente Stahlseuche (eine Metapher von der Technologie als ein Virus und natürlich auch ein Symptom der technologischen Pathologien wie in eXistenZ, The Fly und Videodrome). Zudem können die rasenden metallischen schmerzvollen Mutationen als ein Symbol für Hiroshima und Nagasaki betrachten werden.

Anderes interessantes Merkmal liegt in der Macho Mann-Maschine Ideal (auch in Filme wie Terminator und Robocop gesehen), ein Mann, der stark ist und der alles zerstören kann, wie wenn das Fleisch in Videodrome eine Waffe wird.

Der männliche Köper wird hauptsächlich missbraucht. Der Metalfetischist steckt sich eine große Tube in seinem eigenen Körper hinein, bis der brutale Erfolg einer tiefen Penetration erlaubt das Vergleich zwischen dem „verbesserten“ Körper mit den Fotos eines Sportlerkörpers.

Während der Sarariman einen Alptraum hat, träumt er von einer besessenen Frau, die ihn mit einem harten Draht vergewaltigt. Die Opfer Rolle wird umgekehrt, wenn der Penis des Sararimans zum Bohrer verwandelt und während der Sexhandlug sie umbringt.

Die Entmenschlichkeit und die Verwandlung sind Themen, die schon in der Germanistik verarbeitet worden sind. Beispiele dafür sind Gottfried Benns Gedichtband Morgue und Franz Kafkas Die Verwandlung, beide 1912 während der expressionistischen Epoche veröffentlicht.

Heute leben wir fast schon in diesem standhaft modifizierten beweglichen entfaltenden Zustand, wo fast jeder die Technologie in seinem privaten Lebenssphäre trägt (Prothese, Soziale Netzwerke auf Internet, usw.) und wo sie benutzt mag, um sich zu „verbessern“ nicht um „sich“ zu heilen, sondern mit einem Konkurrenzabsicht die anderen zu vernichten… wird sie wirklich ein Virus? Ist sie ein echter Fortschritt? Die Verwandlung ist langsam schon begonnen… passt auf!

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* Salaryman (jap. サラリーマン, sararīman) ist ein japanischer Begriff für männliche Büroangestellte in renommierten Unternehmen. Er ist ein Scheinanglizismus (Wasei-Eigo), zusammengesetzt aus „salary“, „Gehalt“, und „man“, „Mann“).


**Pink Eiga (jap. ピ ンク映画 ,Pinku Eiga, dt. „pinker Film“) ist ein japanisches Filmgenre zwischen Erotik- und Kunstfilm, das seit den 1960er Jahren mehr als 5.000 Werke hervorgebracht hat. Der Begriff Pinku Eiga wurde vom Journalisten Minoru Murai 1963 geprägt. In den 1970er Jahren machten Pink Eigas etwa die Hälfte der japanischen Kinofilmproduktion aus. Aufgrund der expliziten Darstellung von Sexualität aller Art am ehesten mit westlichen Softcore-Filmen zu vergleichen, haben Pink Eigas im Unterschied dazu meist eine eigenständige Rahmenhandlung, deren Funktion über das schlüssige Aneinanderreihen von Sexszenen hinausgeht.

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