Donnerstag, 25. Februar 2016

Rezension über Ringu von Koji Suzuki

  
„Der Ring“ ist 1991 der bekannteste Roman von Koji Suzuki. Er wurde in darauf folgenden Jahren mehrmals im Kino angepasst und daraufhin errang er ebenfalls einen so großen internationalen Erfolg, dass er heutzutage als ein Meisterwerk des Horror-Genres gilt.

Die Handlung spielt hauptsächlich in Tokyo und Oshima in Japan. Der von Zeitungsbeilage Journalist, Kazuyuki Asakawa, spürt dem mysteriösen Tod seiner Nichte nach.  Durch systematische Forschung mithilfe eines engen Freundes namens Ryuji Takayama entdeckt er, dass sie und drei ihrer Freunde im Teenageralter genau am selben Tag und Zeit angeblich aufgrund eines Videobandansehens ums Leben kamen.  Zentral ist hierbei die Voraussetzung, dass jeder, der das rätselhafte Videoband ansieht, binnen einer Woche an plötzlichem Herztod sterben soll, und so beginnt der Irrfahrt von Asakawa zwecks der Rettung seines eigenen Lebens und das von seinen nächsten Angehörigen im Kampf um die Zeit und die Todesangst geschweige denn sehr schwierig zu treffende Entscheidungen.

Mit Geschicklichkeit fesselt der Autor den Leser an eine dunkle geheimnisvolle Geschichte, wo die Zusammenarbeit und die wahre Freundschaft der Schlüssel zur Rätselklärung ist. Denn der Geschichtsentwicklung gemäß werden nicht nur der Herkunft des Videofluchs preisgegeben, sondern auch tiefe persönliche Geheimnisse der Hauptfiguren in der Öffentlichkeit gebracht.

Im Vergleich zu den zwei bekanntesten Filmanpassungen (1998, Ringu, Reg. Hideo Nakata;   2002, The Ring, Reg. Gore Verbinski) wirkt das Buch bildhafter in puncto Erfahrungen beim Ansehen des Videobandes und vertieft sowohl um das übersinnliche Recherchieren als auch um die zur Mord führenden Nuancen der menschlichen Natur.   

Die Emotionen und die Struktur der Geschichte werden auch ziemlich besser behandelt als in den Filmen, in denen viele bedeutende Elemente ignoriert oder völlig verändert werden. Die anlockende Erzählungsweise erreicht Suzuki im Buch mit anziehenden Beschreibungen und detailierter und zugkräftiger Methode zur Geheimnisklärung.

Die von Suzuki verwendete Sprache ist sehr einfach jedoch anspielend auf japanische Symbole oder geprägt von einer doppelten Bedeutung kraft der originellen geschriebenen Sprache des Buches nämlich Japanisch.   Ein Beispiel dafür ist selbst der Name des Romans „Ringu“, ursprünglich vom englischen Wort „to ring“ abgeleitet, welches das Klingeln des Telefons nach dem Ansehen des Videos bezeichnet bzw. der Name der weiblichen Hauptfigur „Sadako Yamamura“, deren Name aus vier Schriftzeichen besteht und der gegebenenfalls als „reines Kind aus dem Bergendorf“ ins Deutsche übersetzt werden könnte.

Der Roman „Der Ring“ zeigt sehr lebhaft den inneren Konflikt eines Mannes, der sich zwischen Leben, Tod, Moral und Loyalität entscheiden muss. Suzuki entführt den Leser hervorragend in die innere Horror-Welt der Protagonisten von Anfang bis Ende des Werkes. Der Leser wird wohl den inneren Kampf mitkämpfen und das Rätsel trotz der Gruseligkeit lösen wollen. 

Zu Fans des Action- oder Gruselthrillers passt der Roman perfekt und ist er so unterhaltsam, überraschungsvoll und spannend, dass sie nicht einmal für den Umfang des Buches Aufmerksamkeit schenken werden.Für mich ist das Buch einen Kauf wert, da es sich nicht nur von Horror und Detektivforschung handelt, sondern auch übt Kritik an die Gesellschaft und betrifft philosophische Begriffe wie Nietzsches ewige Wiederkehr: Kreislauf der Geburt und Sterben. 







Montag, 15. Februar 2016

Die Gründung von Neo-Paris(2053)

9. bis 12. September 2047: Einige seismische "Tremora"-Bomben legten halb Paris in Schutt und Asche. Die Katastrophe gilt als das Ende des europäischen Bürgerkriegs und läutete einen längeren Zeitraum des Leidens und der Entbehrungen für die Überlebenden ein - gefangen in einer Stadt, die von den Pockennarben der  Explosionskrater überzogen war. 



Die örtlichen Behörden waren versucht, die Stadt während der fünf Jahre nach der Zerstörung von Paris zu verlassen. Die ehemalige Hauptstadt war seit dem Zusammenbruch der französischen  Regierung 2041 zu einer Geisterstadt geworden und der Magistrat war das einzige rechtmäßige Regierungsorgan. Paris wurde im Frühling 2048 zu einer freien Stadt erklärt und Gangs und Plünderer beherrschten die Straßen. 

2052: nach zweijährigen Verhandlungen gelang es Bürgermeister Eugene-Hubert Carbon, den Großunternehmer Antoine Cartier-Wells zu überreden, den Hauptsitz von Memorize zurück in die Stadt zu verlegen, in der er seinen Konzern vierzig Jahre zuvor gegründet hatte. Die Ankündigung, dass dieser berühmte und profitable Konzern nach Paris zurückkehren würde, gab der verwüstete Stadt neue Hoffnung für die Zukunft. Ein massives Wiederaufbauprojekt für die ehemalige Hauptstadt wurde im folgenden Jahr gestartet und die Gründung von Neo-Paris wurde bekanntgegeben. 

Dienstag, 18. August 2015

„Die Seele der Menschen muss in ihren tiefsten Tiefen

verängstigt werden - durch unerforschliche und scheinbar

sinnlose Verbrechen, die niemandem Nutzen bringen, die

nur den Sinn haben, Angst und Schrecken zu verbreiten;

denn der letzte Sinn der Verbrechens ist, eine

unbeschränkte Herrschaft der Verbrechens aufzurichten.“






Samstag, 30. April 2011

Filippo Tommaso Marinetti: Manifest des Futurismus.

(Erschienen in: Le Figaro, Paris, 20. Februar 1909)

1. Wir wollen die Liebe zur Gefahr besingen, die Vertrautheit mit Energie und Verwegenheit.

2. Mut, Kühnheit und Auflehnung werden die Wesenselemente unserer Dichtung sein.

3. Bis heute hat die Literatur die gedankenschwere Unbeweglichkeit, die Ekstase und den Schlaf gepriesen. Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag.

4. Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen . .. ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.

5. Wir wollen den Mann besingen, der das Steuer hält, dessen Idealachse die Erde durchquert, die selbst auf ihrer Bahn dahinjagt.

6. Der Dichter muß sich glühend, glanzvoll und freigebig verschwenden, um die leidenschaftliche Inbrunst der Urelemente zu vermehren.

7. Schönheit gibt es nur noch im Kampf. Ein Werk ohne aggressiven Charakter kann kein Meisterwerk sein. Die Dichtung muß aufgefaßt werden als ein heftiger Angriff auf die unbekannten Kräfte, um sie zu zwingen, sich vor dem Menschen zu beugen.

8. Wir stehen auf dem äußersten Vorgebirge der Jahrhunderte! ... Warum sollten wir zurückblicken, wenn wir die geheimnisvollen Tore des Unmöglichen aufbrechen wollen? Zeit und Raum sind gestern gestorben. Wir leben bereits im Absoluten, denn wir haben schon die ewige, allgegenwärtige Geschwindigkeit erschaffen.

9. Wir wollen den Krieg verherrlichen — diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes.

10. Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören und gegen den Moralismus, den Feminismus und gegen jede Feigheit kämpfen, die auf Zweckmäßigkeit und Eigennutz beruht.

11. Wir werden die großen Menschenmengen besingen, die die Arbeit, das Vergnügen oder der Aufruhr erregt; besingen werden wir die vielfarbige, vielstimmige Flut der Revolutionen in den modernen Hauptstädten; besingen werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden Rauchfäden an den Wolken hängen; die Brücken, die wie gigantische Athleten Flüsse überspannen, die in der Sonne wie Messer aufblitzen; die abenteuersuchenden Dampfer, die den Horizont wittern; die breitbrüstigen Lokomotiven, die auf den Schienen wie riesige, mit Rohren gezäumte Stahlrosse einherstampfen, und den gleitenden Flug der Flugzeuge, deren Propeller wie eine Fahne im Winde knattert und Beifall zu klatschen scheint wie eine begeisterte Menge.

Von Italien aus schleudern wir unser Manifest voll mitreißender und zündender Heftigkeit in die Welt, mit dem wir heute den Futurismus gründen, denn wir wollen dieses Land von dem Krebsgeschwür der Professoren, Archäologen, Fremdenführer und Antiquare befreien.
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Brennende Bibliotheken erinnern sich an Bradburys Fahrenheit 451, wo das Bücherlesen von Regierung verboten wird. Das Ziel ist es, die Bevölkerung ununterbrochen mit simplen Mitteln zu beschäftigen und sie so von wichtigen Ereignissen wie Kriegen abzulenken. 

Donnerstag, 14. April 2011

Grandville: Concert à la vapeur


Ein "Concert à la vapeur" zischt, rasselt, klirrt menschenlos un präzis herauf: alle Instrumente werden durch Dampf betrieben, fast sind sie selber Dampf-maschinen geworden; eine oszillierende Kolbenstange, mit Hand daran, gibt den Dirigenten ab... Baudelaire sagte von Grandville und seinen Zeischnungen: "Es ist ein krankhaftes literarisches Gehirn, stets auf illegitime Kreuzungen versessen... Dieser Mensch hat mit übermenschlichem Mut sein Leben damit zugebracht, die Schöpfung zu verbessern". Aber eher und einzig richtig war er das Talent, technische Gargantuas auszubildern und mit diesem Scherz sein Entsetzen zu treiben. Jedes dieser Bilder karikiert, überzerrt die Mittel, die Menschen durch Tehchnik glücklich zu machen... Heiterkeit rettet, selber frivol, vor jener dämonisch werdenden Entlegenheit, zu der Mensch und später die Machine die Welt umstellen können Witz rettet vor der äußersten Künstlichkeit oder Ungesundheit abstrakter und doch darstellbarer Mischfiguren, vor dem Schattenreich technischer Unzucht, schwarzer Utopie. Zugleich aber ist Witz objektiv in ihr: als ein Anfang des "Grotesken", das sprachlich wie sachlich aus der "Grotte" oder Unterwelt stammt, als Vater oder Bruder eines Gelächters, das gerade der Hölle nicht fehelen darf. Einiges davon erscheint in den angegebenen Karikaturen, den Furchtkarikaturen der Technik und ihrer Prothesen. Mit hämischem oder höhnischem Angsttraum, voll Schreck vor der technischen Herausforderung und dem, was sie ruft. Riesige Schlitzaugen öffnen sich auf einem Bild Grandvilles am Himmel; die Großbomber der Zukunft freilich und die Atombombe wurden vom schrecklichsten Hohn nicht vorgesehn.

Herausgenommen von Literatur im Industriezeitalter 1 (1987).

Mittwoch, 15. September 2010

Naked Blood (1995) de Sato Hisayasu

Influenciadas por las tradiciones cinematográficas occidentales, las películas de Sato revelan una mirada a las ansiedades sociales y políticas sobre la apariencia del cuerpo físico y social japonés.

Emergiendo de una intersección entre el horror, la ciencia ficción y el soft porn japonés, el cine de Sato es el más famoso del “horror corporal” o “body horror” – un híbrido, que según Kelly Hurley, combina una narrativa múltiple con las convenciones cinemáticas de ciencia ficción, horror y cine de suspenso para elevar a espectáculo el desfamiliarizado cuerpo humano como observamos en Tetsuo: The Iron Man de Shinya Tsukamoto.

Es comprensible que el término body horror sea apropiado y utilizado en discusiones sobre las películas de Sato, donde las implicaciones metafóricas del cuerpo escindido o transfigurado son centrales para este tópico estético y político, donde frecuentemente se explora el topos no humano del complejo rol tecnológico en el terreno ideológico, político y capitalista tardío de Japón. Los filmes de Sato tratan fisionomías peligrosas y desintegración corporal. Incluso en los últimos diez años, la circulación de capital, información y comunicación interpersonal se ha vuelto claramente invisible y electrónica, los filmes de Sato han continuado para dar y volver al cuerpo físico, en todo lo invisible, sucio y también vulnerable esplendor, un sitio de contestación perpetua. El cuerpo provee en sus películas un flexible y codificable espacio que remite al cine de Cronenberg, el cuerpo es en un primer momento un blanco para las tecnologías biológicas y las de comunicación, un sitio de conflicto político, y un punto límite en el cual las oposiciones ideológicas colapsan.

Naked Blood es quizá uno de los filmes más complejos y visualmente más impactantes que se hayan hecho en todo el mundo. El argumento trata sobre un joven genio de 17 años, llamado Eiji. Inspirado por las aspiraciones científicas y filosóficas de su padre muerto, las cuales incluyen el deseo de mejorar el mundo ayudando a la humanidad a alcanzar una forma de intensidad en un punto ciego, Eiji crea el “máximo analgésico” para optimizar la felicidad de la humanidad. El fruto de su labor es una droga llamada “Myson” (Mihijo), una substancia que causa el que el cerebro humano perciba el dolor como placer. Buscando humanos para probar su creación, Eiji coloca su elixir en un anticonceptivo administrado vía intravenosa en 3 jóvenes mujeres que están bajo el cuidado de su madre, una doctora. Entre los sujetos a prueba, se encuentran dos mujeres sin nombre, una cuyo más grande placer está en tener un cuerpo atractivo y un guardarropa; otra cuyo placer es comer. En tercer lugar está Mikami, una mujer quien no ha dormido desde que estaba en quinto grado, cuando el shock de su menstruación bloqueó su ciclo de sueño.

Eiji realiza una crónica del impacto de Myson grabando a cada mujer a distancia, pero su anonimato se ve comprometido cuando Mikami lo sorprende espiándola y confrontándola. Por un lado, Myson permite a Mikami experimentar el desdén por Eiji como atracción, pues terminan involucrados sentimentalmente, de tal manera que Mikami lleva a Eiji a su mundo privado mostrándole su “instalación de sueño”, una unidad de realidad virtual que a su vez, le permite también experimentar un estado de ensueño, para mostrarle “el escenario” de su corazón. (Por cierto que el cactús le da un toque fino a la instalación jeje).
Inevitablemente, el experimento de Eiji se torna horripilante. Los otros sujetos de Myson se vuelven grotescamente auto destructivos: la mujer cuya belleza equivale a placer, se transforma lentamente en un sangriento, aunque orgásmico, almohadón humano de alfileres. La chica que disfrutaba de la comida, termina devorándose a sí misma.

El clímax narrativo ocurre cuando Mikami y Eiji han formado una relación intima; primero, ella mata a los sujetos de prueba y luego corta una enorme herida en forma vaginal en el estómago de Eiji y, seguido de un encuentro sexual cibermejorado con Eiji, mata al joven genio, inyectándole primero Myson y después cortándole la garganta. En la escena final de la película, situada muchos años después de la muerte de Eiji, deducimos que Mikami y su joven hijo que toma el video, también llamado Eiji, viajan por el campo, impregnando el aire con la sustancia que podría ser un herbicida o bien, Myson. Curiosamente el niño dice a los espectadores: “el sueño aun no ha terminado”.

Naked Blood sigue causando censura en Japón y en la tradición cinematográfica tanto oriental como occidental, pero también el impacto se centra en cambiar el rol de los géneros y la emergencia de las tecnologías virtuales en la sociedad japonesa capitalista.

Observamos que se prohíben ciertas pautas de comportamiento y representaciones visuales del cuerpo humano y de su sexualidad, especialmente en reacción a la “suciedad” percibida, así como funciones para “proteger lo que es real” – lo que es, “único en la cultura japonesa” de la “contaminación… de ser infiltrado y deformado por la influencia occidental”.

Para apreciar por completo las maneras en las que funciona Naked Blood, como una crítica de las políticas de censura japonesas, es necesario primeramente explorar como estas regulaciones fueron establecidas, desde el género cinematográfico Pinku Eiga.

Ahora bien, es interesante hacer hincapié en la búsqueda del padre de una inmortalidad a través de la intensidad – “Romperemos las fronteras de tiempo y espacio”, y lo que el padre escribe poco antes de su desaparición: “e iremos directo al reino de la luz”. Las implicaciones sociales de que la madre se rehusase a cumplir ciegamente con las expectativas del género y a apoyar el sueño de su esposo, derivan de una economía patriarcal tradicional. Cuando uno considera a la madre de Eiji, como una científica trabajando en pro del desarrollo de un método más efectivo de anticoncepción, podría decirse que está en posición para más adelante usurpar eventualmente los roles masculinos culturales controlando literal, biológica e ideológicamente, la reproducción.

Además, como la mayoría de lo que ocurre en Naked Blood, tanto a Eiji, como a su padre (y como a todo miembro de una sociedad capitalista), le es negada la satisfacción que busca: constantemente asumiendo el rol de voyerista, sus observaciones son perpetuamente mediadas por la tecnología, en forma de cámaras o equipo de realidad virtual. Incluso su acto sexual casi al final del filme está mediado por la realidad virtual… la imagen de la sangre de Eiji que sale de su arteria sobre el pecho de Mikami y su eufórica expresión, es lo que en términos de cine porno llamamos un Money Shot.

Freitag, 10. September 2010

UROBOROS – with the proof in the name of living … - AT NIPPON BUDOKAN

Zur gleichen Zeit wie D’espairsRay haben auch Dir En Grey, die wohl derzeit größte J-Rock-Band überhaupt, neues Material veröffentlicht. „UROBOROS – with the proof in the name of living … – AT NIPPON BUDOKAN“ erscheint als Digipack mit CD und DVD und dokumentiert in aufwändiger Umsetzung akustisch wie visuell zwei im Januar diesen Jahres mitgeschnittene Live-Shows in Tokio während der Welttournee “TOUR09 FEAST OF V SENSES“, basierend auf dem 2008 erschienenen siebten Album der Band „Uroboros“.

Wer aber sind überhaupt Dir En Grey und wer oder was ist „Uroboros“? Dir en Grey sind ein Phänomen, nicht nur in ihrer Heimat Japan, sondern weltweit. In den USA, in Europa, in Asien – seit der Bandgründung vor rund 10 Jahren sorgt das Quintett regelmäßig für Top-Platzierungen ihrer Veröffentlichungen, ausverkaufte Konzerte und einen gigantischen Fan-Ansturm. In ihrem Heimatland stehen Dir En Grey für eine schier unglaubliche Erfolgsstory und haben bereits Kultstatus erreicht. Selbst in Deutschland rollt der Band immer wieder eine riesige Welle an Sympathie entgegen, z.B. bei ihren Auftritten bei Riesenfestivals wie Rock am Ring, Rock im Park oder dem M’era Luna vor einigen Jahren. Sogar den MTV Headbangers Ball Award in der Kategorie “Bestes Metal Video haben sie bereits gewonnen. Wer die Musik von Dir En Grey kennt, weiß warum.

Noch weniger als bei D’espairsRay ist deren Sound auf Anhieb mit keiner anderen Band zu vergleichen. Das Genre Metal trifft es schon mal ganz gut. Death Metal meets Power Metal meets Hard Rock, könnte man präzisieren. Harte E-Gitarren, ein prügelndes, schnelles Drumming, hier und da ein paar Synthie-Elemente, ein klein wenig romantischer Pop – Dir En Grey kredenzen ein musikalisches Opus, das sich im Grunde konkreter Beschreibungsversuche entzieht. Das Bemerkenswerteste ist ohnehin Sänger Kyo, dessen stimmliche Bandbreite schier unfassbar ist. Mühelos schwingt er sich durch alle vorstellbaren Extrem-Höhen und Tiefen. Bei den Growls müsste sich streng genommen sogar Chris Barnes (ex Cannibal Corpse) ehrfurchtsvoll verneigen und bei den wilden Screams allen Power Metallern die langen Haare zu Berge stehen. Dir En Grey wüten musikalisch wild, exzessiv und ultra-emotional und lassen ihren Gefühlen, Träumen, Ängsten und Hoffnungen freien Lauf. Sie verstören und verzaubern gleichzeitig mit ihrer offensichtlichen Aufrichtigkeit, mal bedrohlich wie ein wildes Tier, das lauernd um seine Beute kreist, mal melancholisch-heroisch-theatralisch.

Klingt unglaublich, ist aber so. Der hervorragende gefilmte Konzert-Mitschnitt auf DVD beweist dies eindrucksvoll. Von den beiden Konzerten Anfang Januar 2010 in der – wie es scheint restlos ausverkauften – riesigen Nippon Budokan-Halle in Tokio wurden 26 Songs mitgeschnitten und zu einem fast zweistündigen Live-Erlebnis zusammengestellt. Die Auftritte der Tour, welche insgesamt 99 (!) Konzerte umfasste, gleichen einem einzigen Riesen-Spektakel. Zentrales Thema: der Uroboros, ein im Alten Ägypten existierendes Bildsymbol, das eine Schlange zeigt, oft auch dargestellt als Drache, die sich in den eigenen Schwanz beißt und so mit ihrem Körper einen geschlossenen Kreis bildet. Die Darstellung symbolisiert ein vollkommenes Wesen ohne Bezug nach Außen, Unendlichkeit ohne Anfang und Ende. Dir En Grey haben dieses Symbol für sich interpretiert als „Vereinigung von Gegensätzen und der Wiederkehr des ewig Gleichen in der Neugeburt nach dem Tod“. Die Welt gleicht für sie „einer Existenz in einem immer wiederkehrenden Zyklus“.

Textlich-konzeptuell ist das Ganze schwer nachvollziehbar, da – zumindest kommt es einem so vor – durchweg auf Japanisch gesungen wird (oder es ist z.T. doch Englisch und man versteht es einfach nicht, könnte sein ...). Doch die Show lenkt den Fokus sowieso in andere Bahnen. Sie gleicht einem Mega-Event auf einer riesigen Bühne mit aufwendiger, mystischer Kulisse und einer gigantischen Licht- und Videoshow – und mittendrin die fast unspektakulär zivil wirkenden Bandmitglieder um den blondierten, Ziegenbärtchen tragenden Kyo (in Military-Pants und derben Stiefeln), der nach dem Ablegen des Jackets seinen Körper als tätowiertes, perfekt durchtrainiertes Gesamtkunstwerk präsentiert. Langhaarige Metal-Berserker, die im Laufe des Konzerts neben ihren Instrumenten auch die Bühne zerlegen sucht man in der Band vergeblich. Hin und wieder lächelt sogar der ein oder andere Musiker – das ist eben Japan und nicht Deutschland. Echter Aktionsmittelpunkt bleibt fast ausschließlich Kyo, der nicht zu bremsen und selten wirklich außer Atem zu sein scheint. Nur in den ruhigen mystisch-dunklen „Interludien“ gönnt er sich eine kleine Pause. Dem Publikum gegenüber gibt er sich wortkarg, lässt sich jedoch feiern wie ein Fleisch gewordener Gott – der Anblick von weit über 10.000 akkurat in die Luft gestreckten Armen der Fans wirkt fast schon grotesk. Und die sind auch keine wilden, unzivilisierten Metal-Heads, sondern neben den kostümierten Visual-Kei-Fans hauptsächlich „Durchschnitts-Jugendliche“, wie wir sie uns in Deutschland niemals auf einem solchen Konzert vorstellen könnten. Selbst als nach der Show, die Band hat bereits die Bühne verlassen (auch das schnell und ohne große Worte), noch ein Video von Dir En Grey auf der Leinwand abgespielt wird, feiern die Leute ausgelassen weiter und singen mit. So etwas nennt man Stimmung!

„UROBOROS – with the proof in the name of living… – AT NIPPON BUDOKAN“ zeigt eindrucksvoll, wie speziell, wie außergewöhnlich, fast fremdartig, die J-Rock-Szene (immer noch) ist. Das besonders Faszinierende daran ist, dass, egal wie hart und krass der Sound auch sein mag, dem Ganzen immer noch etwas Friedliches anhaftet. Irgendwie scheint es, als könnten die Japaner, so sehr sie auch wollen, niemals ganz aus ihrer Haut. Und das macht es gerade so besonders. Ein hörens- und sehenswertes Erlebnis von begeisternder optischer und akustischer Qualität!

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